Blaue Grotte auf Biševo
Naturwunder bei Komiža: Lichtphänomen, Bootsausflug und die Grotte, die 1884 mit Dynamit für Besucher geöffnet…

Vis ist mit rund 60 Kilometern Entfernung zum Festland die am weitesten von der Küste entfernte bewohnte Insel Kroatiens, und genau das ist ihre Geschichte: Bis 1989 war sie als Militärstützpunkt der jugoslawischen Armee für Ausländer komplett gesperrt, während sich das restliche dalmatinische Küste längst dem Tourismus öffnete. Diese jahrzehntelange Abschottung hat Vis vor Betonburgen bewahrt, du findest hier zwei kleine Hafenstädte, Weinberge mit der einheimischen Rebsorte Vugava, die Blaue Grotte auf der vorgelagerten Insel Biševo und die viel fotografierte Bucht Stiniva. Ohne Auto kommst du von Split per Katamaran in rund 1 Stunde 20 Minuten hinüber, mit Auto per Autofähre in etwa 2 Stunden 20 Minuten Fähren. Wer Ruhe, Authentizität und ein Stück unverstelltes Dalmatien sucht, ist auf Vis richtig, wer Partystrände oder eine schnelle Anreise braucht, eher nicht.
Vis Stadt an der Ostküste liegt auf den Fundamenten von Issa, der ersten griechischen Siedlung an der gesamten östlichen Adriaküste. Gegründet wurde sie 397 vor Christus von Dionysios I. von Syrakus, und bis heute liegen in der Stadt Reste hellenistischer Stadtmauern und eine griechische Nekropole, in der eine der ältesten schriftlichen Aufzeichnungen Kroatiens gefunden wurde, ein Grabstein für einen im Seekampf gefallenen Mann namens Kallias. Im Hafenviertel Kut reihen sich barocke Steinhäuser aus venezianischer Zeit, viele davon heute Konobas oder kleine Pensionen.
Über dem Hafen thront Fort George, 1813 von den Briten errichtet und nach König George III. benannt, ein direktes Erbe der Seeschlacht von Vis 1811, in der die britische Marine eine französisch-italienische Flotte entscheidend schlug. Heute ist das Fort umgebaut zu Bar, Restaurant und Konzertbühne mit Blick auf den Hafen. Aus derselben militärischen Vergangenheit, nur ein knappes Jahrhundert später, stammt das unterirdische Tunnelnetz der jugoslawischen Armee, insgesamt rund 20 Kilometer aus U-Boot-Tunneln, Munitionslagern und Kavernen, verteilt über die ganze Insel. Der bekannteste Einstieg liegt nördlich der Stadt Richtung Fort George. Auf dem Berg Hum, dem höchsten Punkt der Insel, versteckte sich 1944 Titos Partisanenhauptquartier in einer Höhle, der Titova špilja, bis heute begehbar und Teil vieler Insel-Touren.
Komiža an der Westküste ist das Gegenstück zu Vis Stadt: kleiner, unaufgeregter, ein echtes Fischerdorf mit schmalen Gassen, die sich um die Bucht ziehen. Komiža-Fischer entwickelten hier im 16. Jahrhundert die Falkuša, ein eigenes Segelboot für den Fischfang bis weit vor Italien, das bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im Einsatz war. Von hier legen auch die meisten Boote zur Blauen Grotte ab. Und Komiža war 2017 einer der Hauptschauplätze für "Mamma Mia! Here We Go Again": Rund 1.500 Crewmitglieder samt Meryl Streep, Amanda Seyfried, Pierce Brosnan und Colin Firth drehten auf der bis dahin kaum bereisten Insel, und schon im September desselben Jahres, während der Dreharbeiten, meldete das kroatische Tourismusministerium einen spürbaren Anstieg bei Ankünften und Übernachtungen auf Vis. Wo genau die Kamera lief und was du von den Kulissen heute noch findest, zeigt dir unser Beitrag zu den Mamma-Mia-Drehorten auf Vis Mamma Mia Vis.

Vis ist keine Sandstrand-Insel, wie fast überall in Dalmatien dominieren Kies und Fels. Der bekannteste und am meisten fotografierte Strand der ganzen Adria liegt trotzdem hier: die Stiniva-Bucht an der Südküste, ein von hohen Felswänden umschlossener Kessel mit Kieselstrand, in den das Meer nur durch einen schmalen Felsspalt hineinreicht. Ehrlich gesagt: bequem ist der Zugang nicht. Zu Fuß geht es über einen markierten Pfad ab Plisko Polje in etwa 30 Minuten bergab, streckenweise über Stufen, streckenweise über loses Geröll, festes Schuhwerk ist Pflicht. Wer sich das sparen will, nimmt eines der Ausflugsboote ab Vis Stadt, Komiža oder Rukavac, die direkt in die Bucht fahren. 2016 wählten mehr als 10.000 Teilnehmer bei European Best Destinations Stiniva zum schönsten Strand Europas, was seither zusätzliche Tagesausflügler anzieht, gerade im Juli und August wird es an Land wie auf dem Wasser voll. Mehr zu Kroatiens Stränden allgemein, Kies-Typen und Blaue-Flagge-Stränden liest du unter Strände.

Ruhiger geht es an anderen Buchten der Insel zu: Grandovac direkt vor dem Ortsteil Kut, eine von Pinien gesäumte Kiesbucht mit flachem, ruhigem Wasser, gut für Familien. Srebrna an der Südküste mit türkisfarbenem Wasser vor felsiger Kulisse. Und bei Milna, einer kleinen Ferienbucht an der Südküste, liegt mit dem Zaglav einer der seltenen Sandstrände der dalmatinischen Inseln, erreichbar nur zu Fuß über einen etwa 15-minütigen, unbefestigten Pfad, kein Parkplatz direkt davor.
Vis ist Weinbau-Insel, seit der Antike. Die autochthone weiße Rebsorte Vugava wächst praktisch ausschließlich hier, ein trockener, goldgelber Wein mit rund 12,5 Prozent Alkohol, der von Kennern wegen seiner Aromatik gerne mit Sherry verglichen wird und laut Überlieferung auf die griechischen Siedler von Issa zurückgeht. Passend dazu isst man auf Vis viel Fisch und, wie im übrigen Dalmatien, Fleisch aus der Peka, dem gusseisernen Glockentopf, unter dem es stundenlang im eigenen Saft gart. Weinkeller und Konobas zum Probieren findest du vor allem im Hinterland zwischen Vis Stadt und Komiža.
Ins Bett geht man auf Vis früh, verglichen mit Hvar oder Pag ist die Insel nachts ruhig. Die einzige nennenswerte Ausnahme ist Fort George über dem Hafen von Vis Stadt, das abends von der Festung zur Bar mit Live-Musik wird. Wer feiern will bis zum Morgen, ist ohnehin falsch hier, dafür sind Hvar Hvar oder Pag die richtige Adresse.
Vis ist die Insel für alle, die Ruhe, Wein und den Fußweg zur Bucht dem schnellen Strandtag vorziehen.
Der Klassiker jedes Vis-Aufenthalts ist der Ausflug zur Blauen Grotte Blaue Grotte (Modra špilja) auf dem winzigen Nachbareiland Biševo, eine gute halbe Stunde mit dem Boot ab Komiža. Durch ein Unterwasserloch fällt das Sonnenlicht in die Höhle und lässt Wasser und Felswände in einem intensiven Blau leuchten, am eindrücklichsten zwischen etwa 9 und 13 Uhr, wenn die Sonne hoch genug steht. Der Eintritt zur Grotte selbst wird direkt auf Biševo bar bezahlt und richtet sich nach der Saison: Erwachsene zahlen in den Nebenmonaten rund 10 Euro, in der Hochsaison rund 13 Euro, Kinder etwa die Hälfte, unter sechs Jahren frei. Ein Automat gibt es auf der Insel nicht, kleine Scheine helfen. Dazu kommt die Bootsfahrt oder ein organisierter Ausflug mit Transfer. Ehrlich gesagt ist das kein Geheimtipp mehr: In der Hochsaison bilden sich vor dem engen Eingang Warteschlangen aus kleinen Booten, die Boote müssen einzeln und bei ruhiger See hineinfahren, bei Wellengang bleibt die Grotte geschlossen. Wer es ruhiger will, bucht die früheste Tour des Tages.
Wer noch Zeit hat, verbindet den Ausflug oft mit einer Bootstour um die Insel, an Höhlen und einsamen Buchten vorbei, wie sie von Komiža aus mehrfach täglich starten. Wie sich Vis in den größeren Inselvergleich einordnet, Ruheinsel gegen Partyinsel gegen Familieninsel, zeigt der Überblick unter Inseln.
Vis erreichst du ausschließlich über Wasser, eine Brücke wie bei Krk oder Pag gibt es nicht, und die Insel liegt spürbar weiter draußen als Hvar oder Brač. Von Split, dem großen Fährhafen Mitteldalmatiens Split, hast du zwei Wege: Die Autofähre nach Vis Stadt braucht rund 2 Stunden 20 Minuten und nimmt Fahrzeuge mit, dafür solltest du in der Hochsaison unbedingt vorab reservieren, denn die Linie hat deutlich weniger Abfahrten pro Tag als etwa nach Hvar oder Brač, bei vollem Schiff wartest du sonst bis zur nächsten oder gar bis zum nächsten Tag. Ohne Auto bist du mit dem Katamaran nach Vis Stadt oder Komiža schneller unterwegs, in rund 1 Stunde 20 Minuten von Split aus, zurück dauert die Fahrt mit rund 1 Stunde 10 Minuten sogar noch etwas kürzer. Zusätzlich verbindet von Juni bis September ein Schnellboot Split über Bol auf Brač und Hvar mit Vis, praktisch, wenn du gleich mehrere Inseln kombinieren willst Fähren.
Aus Österreich reist du wie zu allen dalmatinischen Inseln über Split an, mit dem Auto von Wien aus rechnest du etwa 7,5 Stunden bis zum Fährhafen, danach kommt die Überfahrt noch obendrauf. Alle Anreiserouten mit Auto, Bahn und Flug bündelt Anreise.
Vis hat bewusst keine großen Hotelketten, das Angebot besteht überwiegend aus kleinen Pensionen, Boutique-Unterkünften und privaten Apartments in Vis Stadt und Komiža, in der Hochsaison lohnt sich frühes Buchen, weil das Bettenangebot insgesamt kleiner ist als auf den bekannteren Nachbarinseln. Camping spielt auf Vis nur eine Nebenrolle mit ein paar kleineren Plätzen Camping. Wer lieber ein Ferienhaus mit Pool im Hinterland sucht, wird zwischen den Weinbergen rund um Vis Stadt und Komiža fündig Ferienhäuser.
Vis erreichst du nur über Split, und von dort führen die Fähren auch zu den beiden großen Nachbarinseln.
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Naturwunder bei Komiža: Lichtphänomen, Bootsausflug und die Grotte, die 1884 mit Dynamit für Besucher geöffnet…
Aussichtsfestung über der Altstadt von Hvar mit Blick auf die Pakleni-Inseln.
Kroatiens meistfotografierter Strand bei Bol, eine Kieszunge, die mit jedem Wind ihre Form ändert.
778 Meter hoher Aussichtsgipfel über Bol, der höchste Punkt aller kroatischen Inseln.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis November.
Tipp: An der Adria bleibt der Hochsommer heiß; im Winter kann die Bora kalte, böige Tage bringen.
Ja, wenn dir Ruhe, Authentizität und ein Stück ursprüngliches Dalmatien wichtiger sind als Nachtleben oder kurze Anfahrtswege. Wegen der langen militärischen Sperre bis 1989 ist Vis bis heute deutlich weniger bebaut und touristisch als Hvar oder Brač.
Die Insel insgesamt nicht, dafür sorgt schon die begrenzte Fährkapazität. An zwei Hotspots wird es in der Hochsaison trotzdem voll: der Bucht Stiniva und der Blauen Grotte auf Biševo, wo sich vor allem mittags Boote stauen. Wer früh am Tag unterwegs ist, umgeht beides.
Für Vis Stadt, Komiža, den Ausflug zur Blauen Grotte und einen Tag in Stiniva reichen 3 bis 4 Tage. Wegen der längeren Anreise lohnt sich Vis aber eher für einen ganzen Urlaub als für einen Kurztrip zwischendurch.
Der Eintritt in die Grotte kostet Erwachsene je nach Saison rund 10 Euro in den Randmonaten und rund 13 Euro in der Hochsaison, Kinder etwa die Hälfte, unter sechs Jahren frei, immer bar vor Ort. Dazu kommt die Bootsfahrt ab Komiža oder ein organisierter Ausflug mit Transfer.
Ohne Auto am schnellsten mit dem Katamaran in rund 1 Stunde 20 Minuten nach Vis Stadt oder Komiža. Mit Auto nimmst du die Autofähre in etwa 2 Stunden 20 Minuten, in der Hochsaison am besten mit Reservierung, weil die Linie seltener fährt als zu den Nachbarinseln.
Vor allem in und um Komiža, wo 2017 rund 1.500 Crewmitglieder mit Stars wie Meryl Streep, Amanda Seyfried und Pierce Brosnan drehten. Schon während der Dreharbeiten stieg die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen auf der Insel spürbar.
Weil die jugoslawische Armee die Insel bis 1989 als militärischen Stützpunkt nutzte, mit U-Boot-Tunneln, Munitionslagern und Titos Partisanenhauptquartier in einer Höhle auf dem Berg Hum. Für Ausländer war Vis in dieser Zeit komplett tabu.
Für Vis Stadt und Komiža selbst nicht, zwischen den Orten pendeln Busse nach Fähranschluss. Für abgelegene Buchten wie Stiniva, Srebrna oder Milna und die Weingüter im Hinterland ist ein Auto oder Roller aber deutlich praktischer.
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