Das Kap Kamenjak ist ein rund 400 Hektar großes Naturschutzgebiet an der Südspitze Istriens, das sich von Premantura bis zur Landzunge zwischen Medulin und der offenen Adria zieht. Seit 1996 steht die Halbinsel als "Značajni krajobraz" (bedeutende Landschaft) unter Schutz, ihre knapp 30 Kilometer zerklüftete Küstenlinie zählt über 30 Buchten, von flachen Kiespanoramen bis zu Klippen, an denen gesprungen wird. Zu Fuß und mit dem Rad ist der Zugang das ganze Jahr kostenlos, mit dem Auto zahlst du in der Saison eine Eintrittsgebühr an einer der beiden Einfahrten südlich von Premantura.
Damit ist Kamenjak das Gegenstück zum familienfreundlichen Sandstrand Bijeca im nahen Medulin: hier geht es um wilde Natur, versteckte Buchten und Wanderwege statt Liegen und Wasserrutsche. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, findet die bequemere Alternative im Ortsporträt Medulin, wer Ruhe, Klippen und Natur sucht, ist hier richtig.
Dass Kamenjak heute so unberührt wirkt, hat einen militärischen Grund. Schon zur Zeit der k.u.k.-Monarchie diente Gornji Kamenjak, der nördliche Teil der Halbinsel, als Beobachtungsposten, im Ersten Weltkrieg täuschten riesige Flutlichtanlagen dort einen Kriegshafen vor, um Angreifer von Pula abzulenken. Später übernahm die jugoslawische Armee das Gelände als militärisches Übungsgebiet, zeitweise war es komplett gesperrt und nur im Hochsommer für Besucher geöffnet. Genau diese jahrzehntelange Abgeschiedenheit bewahrte die Landschaft vor Bebauung, Steinbrüchen alter Nutzung und Übernutzung. Nachdem das Militär abgezogen war, wurde die Halbinsel 1996 unter dem Namen "Donji Kamenjak i medulinski arhipelag" (Unteres Kamenjak und Medulin-Archipel) formal geschützt. Reste der alten Bunkeranlagen liegen bis heute entlang der Küstenwege und lassen sich beim Wandern entdecken.
Auf den kargen Trockenwiesen und in der Macchia wachsen über 550 Pflanzenarten, mehrere davon kommen nirgendwo sonst in Kroatien vor, darunter der Gelbe Tausendgüldenstrauch (Cicendia filiformis), für den Kamenjak der einzige bekannte Fundort im Land ist. Rund 30 geschützte Orchideenarten blühen vor allem im Frühling auf den Wiesen, die traditionell von Rindern der autochthonen istrischen Rasse Boškarin beweidet werden, damit die offene Trockenrasenlandschaft nicht zuwächst. Historisch war die Halbinsel einmal von Eichenwald bedeckt, Jahrhunderte an Holzeinschlag und Beweidung formten daraus die heutige, deutlich trockenere Macchia- und Wiesenlandschaft. Mit nur rund 210 Millimetern Niederschlag im Jahr ist Kamenjak spürbar trockener als das nahe Pula oder Medulin, ein Effekt der exponierten, flachen Karstlage direkt am offenen Meer. Insekten- und Vogelfreunde finden hier zudem rund 50 nachgewiesene Schmetterlingsarten, von Segelfaltern bis zum Zitronenfalter.
Eine der ungewöhnlichsten Attraktionen liegt auf der Landzunge Grakalovac: fossile Dinosaurierspuren, die nach Einschätzung der Parkverwaltung fast 70 Millionen Jahre alt sind und über einen ausgeschilderten Weg direkt am Ufer besichtigt werden können, kostenlos und ohne gesonderten Eintritt.
Die Küste wechselt auf wenigen Kilometern ständig den Charakter. Rund um die Südspitze bei der Safari Bar, der bekanntesten Strandbar des Gebiets, liegen die Felsbuchten Mala und Vela Kolumbarica: steile Platten, tiefes, glasklares Wasser und der bekannteste Klippensprung-Spot am Kap, mit Absprunghöhen von grob 5 bis 9 Metern je nach Fels. Wer es ruhiger mag, findet in Njive eine Kiesbucht mit auffällig türkisem Wasser und flachem Einstieg, ähnlich zugänglich ist Mali Portić, eine kleine, tief eingeschnittene Sandbucht mit eigener Strandbar. Weiter Richtung Osten liegt Debeljak, eine halbrunde Bucht mit viel Platz, dazu kommen kleinere, stillere Ziele wie Pinizule, Franina oder die nur nach einem Fußweg erreichbare Bucht bei Sv. Mikule, die sich vor allem zum Schnorcheln eignet. Wer abseits der Hauptwege sucht, findet in Radovica einen echten Geheimtipp mit anspruchsvollerem Einstieg.
Offizielle Regel für alle Buchten: Schwimm nicht weiter als 100 Meter von der Küste weg, die Parkverwaltung warnt ausdrücklich vor Strömungen und Bootsverkehr in den offenen Gewässern vor dem Kap.
Kamenjak lebt vom Gehen und Radeln: Ausgeschilderte Küstenpfade und breitere Schotterwege verbinden sämtliche Buchten miteinander, ganz ohne Höhenmeter, weil die Halbinsel überwiegend flach ist. Läufer, Spaziergänger und Rennradfahrer teilen sich dieselben Wege, die auch Teil des länderübergreifenden Küstenwegs Via Adriatica sind. Wer ein Fahrrad hat, kommt an einem Vormittag quer über die Halbinsel und zurück, für einen ausführlichen Rundgang mit Bade- und Fotostopps solltest du eher einen halben bis ganzen Tag einplanen.
Zu Fuß und mit dem Rad ist der Zutritt ganzjährig kostenlos. Kommst du mit dem Auto, zahlst du 2026 in der Hauptsaison vom 15. Juni bis 15. September 20 Euro, Motorräder 8 Euro, Wohnmobile 50 Euro, Busse 90 Euro. In der Vor- und Nachsaison vom 2. Mai bis 14. Juni sowie vom 16. bis 30. September sinken die Preise auf 10 Euro für Autos, 5 Euro für Motorräder, 40 Euro für Wohnmobile und 60 Euro für Busse. Wer online bucht, bekommt laut Parkverwaltung 10 Prozent Rabatt, Bewohner der Gemeinde Medulin zahlen ganzjährig eine feste Jahreskarte von 10 Euro. Die genaue Preistabelle nach Fahrzeugtyp und die Anfahrt zu den beiden Einfahrten südlich von Premantura findest du zusammengefasst im Ortsporträt Medulin Medulin.
Das Naturschutzgebiet selbst kennt keine Schließsaison, du kannst es das ganze Jahr betreten. Mit dem Auto ist die Einfahrt an den Schranken üblicherweise von etwa 7 bis 21 Uhr möglich, das Gebiet musst du laut Verhaltenskodex spätestens um 22 Uhr wieder verlassen (Stand 2026, aktuelle Zeiten bitte am Eingang prüfen). Campieren ist untersagt, ausgenommen organisierte Gruppen mit gesonderter Genehmigung der Parkverwaltung, Feuer ist ausschließlich in den bereitgestellten Feuerstellen erlaubt. Hunde müssen an der Leine bleiben und dürfen nicht zusammen mit Menschen an belebten Buchten schwimmen, gefahren und geparkt wird nur auf markierten Straßen und Flächen. Geschützte Pflanzen und Tiere zu sammeln oder zu beschädigen ist verboten.
Am schönsten ist Kamenjak im späten Frühling, wenn die Orchideen blühen und Temperaturen sowie Besucherzahlen noch moderat sind, sowie im September, wenn das Wasser noch warm, der Andrang an den Buchten aber deutlich kleiner ist. Im Hochsommer sind vor allem die Parkplätze an den beiden Einfahrten schnell voll, wer dann kommt, ist am Vormittag am ehesten flexibel. Direkt vor dem Eingang liegt das ehemalige Fischerdorf Premantura mit einer kurzen Uferpromenade und einigen Konobas, ideal für einen Kaffee oder ein spätes Mittagessen vor oder nach dem Rundgang. Nach Medulin mit seinem Sandstrand Bijeca sind es nur wenige Autominuten, mehr zu Ort, Anreise und Unterkünften in der Region findest du im Ortsporträt Medulin, einen Überblick über ganz Istrien liefert die Regionsseite Istrien.
Ein rund 400 Hektar großes Naturschutzgebiet an der Südspitze Istriens bei Premantura und Medulin, seit 1996 unter dem Namen "Donji Kamenjak i medulinski arhipelag" geschützt. Über 30 Kilometer Küstenlinie mit mehr als 30 Buchten machen es zu einem der wildesten Küstenabschnitte der Halbinsel.
Ja, Fußgänger und Radfahrer zahlen ganzjährig nichts. Nur wer mit einem motorisierten Fahrzeug einfährt, zahlt eine saisonale Gebühr, die je nach Fahrzeugtyp und Saison zwischen 5 und 90 Euro liegt.
Mala und Vela Kolumbarica an der Südspitze nahe der Safari Bar sind die bekanntesten Klippensprung-Ziele, mit Absprunghöhen von grob 5 bis 9 Metern je nach Felsplattform. Weniger geübte Springer und Familien finden in Njive oder Mali Portić deutlich flachere Alternativen.
Ja, auf der Landzunge Grakalovac sind fossile Fußspuren erhalten, die die Parkverwaltung auf ein Alter von fast 70 Millionen Jahren schätzt. Ein ausgeschilderter Weg führt kostenlos direkt zur Fundstelle am Ufer.
Campen ist nur für organisierte Gruppen mit gesonderter Genehmigung der Parkverwaltung erlaubt, wildes Zelten ist untersagt. Feuer darfst du ausschließlich in den bereitgestellten Feuerstellen machen, offenes Feuer außerhalb ist verboten.
Ja, aber nur an der Leine und unter Kontrolle. Er darf nicht gemeinsam mit anderen Badegästen an belebten Buchten schwimmen, an ruhigeren Stellen oder in den Abendstunden ist das entspannter möglich.
Die rund 30 geschützten Orchideenarten zeigen sich vor allem im Frühling, meist zwischen April und Mai, wenn die Trockenwiesen noch feucht genug sind. Das ist zugleich die ruhigste Zeit für einen Besuch, bevor im Sommer der Badebetrieb einsetzt.
Die Parkverwaltung empfiehlt, dich nicht weiter als 100 Meter von der Küste zu entfernen, wegen Strömungen und Bootsverkehr in den offenen Gewässern vor dem Kap. Diese Regel gilt an allen Buchten des Schutzgebiets.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: April bis Juni sowie September bis Oktober.
Tipp: An der Adria bleibt der Hochsommer heiß; im Winter kann die Bora kalte, böige Tage bringen.
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